Vorlesung Chemie der Metalle
8. Übergangsmetalle
8.3. Koordinationsverbindungen
Unterkapitel:
8.3.1. Allgemeines, Aufbau, Klassifizierung, Nomenklatur
Komplexe oder Koordinationsverbindungen bestehen gemäß der allgemeinen
Beschreibung MLn
aus
- einem Metall-Ion oder Atom M (meist einem Übergangsmetall)
- und meist mehrere (n) Liganden L.
Wenn mehr als ein Metall-Atom oder -Ion beteiligt ist spricht man von mehrkernigen Komplexen,
bei vielen M- Atomen von Clustern. Die Liganden L können neutrale Moleküle oder Anionen
mit einem oder mehreren Donoratomen (Nichtmetallen der 4. bis 7. Hauptgruppe) sein.
Die chemische Bindung in Komplexen läßt sich als Lewis-Säure-Base-Reaktion
zwischen der Lewissäure M und den Lewis-Basen L auffassen.
Historisch geht die Komplexchemie auf die Entdeckungen von
Alfred
Werner (Nobelpreis 1913)
zurück, der erstmals die korrekte Vorstellungen von der räumlichen Anordnung (Struktur) der
Komplexe erkannte und auch eine erfolgreiche Erklärung der chemischen Bindung entwickelte:
Für jedes Metallatom führte Werner
- Hauptvalenzen (z.B. 2 für Co2+: CoCl2) und
- Nebenvalenzen (z.B. 6 für Co in Komplexen: [Co(NH3)6]2+)
ein. Noch heute nennt man einfache Komplexe mit Co, Cr, Fe usw. und
einfachen Liganden mit elektronegativen Donoratomen Werner-Komplexe.
Dagegen heissen Komplexe mit weniger elektronegativen Donoratomen wie z.B. C, H, Si, P usw.
allgemein 'organometallische' Komplexe. Letztere folgen eher kovalenten Konzepten, so dass
häufig die 18-Elektronen-Regel (um die d-Zustände erweiterte Edelgasregel)
erfüllt ist.
Klassifizierung von Liganden und Komplexverbindungen
Komplexe können auf verschiedene Weisen klassifiziert werden:
- Nach der Ligand-Ladung unterscheidet man nach neutralen und geladenen (meist anionischen) Liganden:
- Neutrale Liganden sind z.B. H2O, NH3, PH3, ...
- Anionische Liganden sind z.B. NH2-, NH2-, N3-, CN-,....
- Nach der Ligandenkoordination (μ), d.h. der Zahl der Metallzentren, an die L gebunden ist, unterscheidet man nach
- 1: (terminal) einfachster und häufigster Fall
- 2: einfacher Brückenligand, μ (kurz für μ2; s. (a) bis (c) in Abb. 8.3.1.
- 3: μ3-Liganden verknüpfen drei Metallatome/ionen, s. (d) und (e) in Abb. 8.3.1.
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Abb. 8.3.1. Sauerstoff als Brückenligand
‣SVG
Beispiele:
- a) [O3CrOCrO3]2-
- b) [Cl5RuORuCl5]4-
- c) [(H2O)2OMoO2MoO(H2O)]2+
- f) OBe4(NO3)6
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- Die Ligandenkoordination ist besonders groß, wenn L als zentrales Nichtmetallatom in Clustern fungiert (f).
- Nach der Art der Ligand-Elektronenpaare unterscheidet man:
- n-Komplexe: Die Bindung zum M- Atom/Ion wird von nichtbindende Elektronenpaaren gebildet (häufigster Fall).
- π-Komplexe: Besetzte π-Orbitale sind für die koordinative Bindung verantwortlich.
Wichtige Liganden dieses Typs sind z.B. Ethen (1 Elekronenpaar),
Butadien (2 Elektronenpaare), Cyclopentadienyl (cp-, 3 Elektronenpaare),
Benzol (ebenfalls 3 Elektronenpaare) oder Cyclooctatetraen (cot, 2 bis maximal 4 Elektronenpaare).
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| Abb. 8.3.2. Beispiele für π-Liganden
‣SVG
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- σ-Komplexe: Hier binden normale σ-Elektronenpaare. Wichtigstes Beispiel sind H2 (Side-on)-Komplexe.
- Nach der Zähnigkeit ('Haptizität' η) des Liganden, d.h. der Zahl der Atome von L, die an M binden, unterscheidet man
wie folgt:
- Für einzähnige Liganden (η1), bei denen nur zwei Elektronen, d.h. ein Elektronenpaar, bindet, gibt
es tausende von Beispielen (z.B. NH3, SCN- ...).
- Einfache mehrzähnige Liganden,
bei denen mehrere Elektronenpaare zur Bindung beitragen,
können nach der Zähnigkeit weiter eingeteilt werden:
- Zweizähnige Liganden (η2; Beispiele s. Abb. 8.3.3.) weisen zwei Donorzentren auf.
Günstig ist es dabei,
wenn der Abstand zwischen diesen Atomen vier oder fünf Atome beträgt, weil
dann bei der Komplexbildung Fünf- bzw. Sechs-Ringe entstehen. Einer
der einfachsten Liganden ist Ethylendiamin (en).
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| Abb. 8.3.3. Beispiele für zwei-zähnige Liganden
‣SVG
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Sind die Donoratome dagegen sehr weit voneinander angeordnet (z.B. 4,4'-Bipyridin),
dann können die Liganden als 'Abstandshalter' in Koordinationspolymeren
verwendet werden.
Es gibt aber auch sehr kleine Ringe, z.B. η2-Komplexe ('di-hapto' oder 'hapto-2')
mit Peroxid- (Dreiring, 'side-on', z.B. 'Peroxotitanyl'), Carbonat- oder Nitrat-Komplexe
(Vierring, z.B. 'Nitrato'-Komplexe der Lanthanoide).
- Dreizähnige Liganden (Beispiele s. Abb. 8.3.4.) weisen entsprechend
drei Donorzentren auf. Einfache Beispiele sind 'Terpyridin' (ter) oder
Diethylentriamin (dien).
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| Abb. 8.3.4. Beispiele für einfache dreizähnige Liganden
‣SVG
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Trispyrazolyl-Borat ist ein dreizähniger Ligand, der eine Seite des
Komplexes gegen Angriffe zu schützen vermag.
- Einfache vierzähnige Liganden sind wieder die Ketten-Amine (hier 'trien').
Ein interessanter, ebenfalls vierzähliger Ligand mit bereits vorgeprägter quadratisch-
planarer Konfiguration ist 'salen' (Bis(salicyliden)ethylendiamin).
In der Komplexometrie (s.u.) wird der vierzähnige sog. tripodale Ligand
Nitrilo-triessisäure (NTA, Titriplex I) eingesetzt.
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| Abb. 8.3.5. Beispiele vierzähniger Liganden
‣SVG
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- Der sicher bekannteste einfache sechszähnige Ligand ist Ethylendiamin-tetraacetat (EDTA),
der ebenfalls als Komplexon in der Analytik verwendet wird (freie Säure: Titriplex II;
Dihydrat des Dinatriumsalzes: Titriplex III).
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| Abb. 8.3.6. EDTA: ein Beispiel für einen sechszähnigen Liganden
‣SVG
bzw. ‣VRML
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| ⚗ Chelateffekt: Auflösen von Kalk mit EDTA
(20MB|MP4|H264) |
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Gefälltes Calciumcarbonat (CaCO3, Kalk!) löst sich in EDTA,
da die Ca2+-Ionen den sehr stabilen Chelatkomplex
mit diesem sechszähnigen Liganden (s. Abb. 8.3.6. oben) bilden.
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- Neben diesen einfachen mehrzähnigen Liganden gibt es eine Reihe weiterer spezieller
Chelatliganden:
- Ringförmige Liganden bilden bei der Komplexbildung gleich mehrere günstige
Ringe zum Metall (Makrozyklischer Effekt). Besonders bekannt sind hier
die 'Kronenether', die durch Variation der Ringgrössen z.B. selektiv für die
Komplexierung unterschiedlich großer Alkalimetallkationen eingesetzt werden können.
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| Abb. 8.3.8. [18]Krone-6 als Beispiel für makrozyklische
Polyether
‣SVG
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Abb. 8.3.9. 2.2.2.crypt, ein Kryptand
‣SVG bzw.
‣VRML
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Liganden aus mehreren Ringen (Kryptanden) bilden noch stabilere Komplexe und schliessen die Metall-Zentren
regelrecht ein. Ein sehr bekanntes Beispiel ist 2.2.2. crypt (s. Abb. 8.3.9.)
- Liganden mit starrer Grundgeometrie prägen dem Komplex die Geometrie auf. Sie
müssen zur Komplexbildung nicht umgebildet werden und sind für Anwendungen, Biologie,
Medizin, ... sehr wichtig. Eine große Gruppe sind hier die Tetrapyrrol-Liganden wie
z.B. Porphyrin.
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| Abb. 8.3.10. Porphyrin: Grundkörper
der zahlreichen Tetrapyrrol-Liganden
(‣SVG)
(links)
und Foto des neutralen Kupfer(II)-Komplexes, der als 'Brilliant-Blau K' ein
sehr blaues Blaupigment ist (z.B. Kugelschreiber-Farben, rechts).
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Komplexe mit solchen mehrzähnigen Liganden haben aufgrund des sogenannten Chelateffekts eine höhere Stabilität.
Einmal handelt es sich um einen kinetischen (Reaktionsmechanismus) und um einen
thermodynamischen Beitrag (Entropie-Effekt, d.h. erhöhte Entropie) gemäß
dem chemischen Gleichgewicht:
[Cd(H2O)6]2+ + 2 en ⟶ [Cd(en)2(H2O)2]2+ + 4 H2O
Besonders die Bildung von 5-fachen Chelatringen ist besonders günstig.
Bekanntes Beispiel für einen Komplex mit sechszähnigem Liganden sind
die aus der Analytik bekannten edta-Komplexe (s. Abb. 8.3.6.)
In Ticp2S5 liegt
auch mal ein Sechsring vor.
Nomenklatur von Komplexverbindungen
Einige wichtige Ligandbezeichnungen sind:
- F-: fluorido usw. für die anderen Halogene (alt: fluoro, chloro, oxo usw.)
- OH-: hydroxido
- CN-: cyanido
- H2O: aqua
- NH3: ammin
- CO: carbonyl
Die Gesamtbezeichnung eines Komplex-Salzes aus Anion und Kation läßt sich wie folgt einfach zusammenfassen:
| Kation (oder Neutralkomplex) |
Anion |
| Anzahl Liganden |
Ligand |
Zentralteilchen |
(Oxidationszahl) |
Anion |
| Kation- |
Anzahl Liganden |
Ligand |
Zentralteilchen (ggf. lateinisch) |
at |
(Oxidationszahl) |
Verschiedene Liganden werden in alphabetischer Reihenfolge genannt.
Einige Beispiele:
- kationische Komplexe:
- [Ag(NH3)2]Cl: Diammin-Silber(I)-Chlorid
- [Cr(H2O)6]Cl3: Hexaaqua-Chrom(III)-Chlorid
- [Co(dien)2]Cl3: Bis(diethylendiamin)-Cobalt(III)-Chlorid
- anionischer Komplex
- Na[Ag(CN)2]: Natrium-dicyanidoargentat(I)
- neutrale Komplexe:
- [Pt(NH3)2Cl2]: Diammindichloridoplatin(II)
- [Ni(CO)4]: Tetracarbonylnickel(0)
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8.3.2. Koordinationszahlen, Strukturen, Isomerie
Die Koordinationszahl, also die Zahl n der Liganden
L eines Komplexes MLn hängt von verschiedenen Faktoren. Die
Grössenverhältnisse (Radienverhätnis L:M) sind dabei häufig der
wichtigste Faktor (Kepert-Modell, eine Übertragung des VSEPR-Konzeptes auf
Koordinationsverbindungen), daneben kann aber auch die d-Elektronenkonfiguration
oder die von den Liganden vorgegebene Geometrie
eine entscheidende Rolle spielen. Zudem ist die Art der Komplexverbindung
(metallorganische Verbindung, i.A. Orbital-kontrollierte chemische Bindung, oder
klassischer Werner-Komplexe, i.A. Ladungs-kontrolliert) mit entscheidend, inwieweit
sich die d-Elektronenkonfiguration bemerkbar macht.
In den Fällen, in denen die d-Elektronenkonfiguration oder die Ligandgeometrie
keine Rolle spielen, wird
die Koordinationszahl (CN) durch die Radienverhätnisse L:M bestimmt (vgl.
1. Pauling-Regel der Salze) und
die Geometrie folgt der Gillespie-Nyholm-Konzeption auch VSEPR-Modell (= Valence shell electron pair repulsion oder
VE-Abstoßungsmodell), es liegt sog. Kepert-Geometrie vor.
Ausgehend von einem Komplex MLn mit einer bestimmten Zahl n von Liganden L
sind nach diesem Modell sämtliche Liganden so um das Zentralatom (M) angeordnet, dass
sie sich möglichst wenig untereinander beeinflussen, d.h. dass sie den größtmöglichen Abstand voneinander
einnehmen und die Winkel L-M-L maximal sind.
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| Abb. 8.3.11. Grundgeometrien nach dem VSEPR/Kepert-Konzept
‣SVG
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Als Grundgeometrien ergeben sich für die unterschiedlichen n (CN) in einem einkernigen Komplex MLn:
inkl. Ergänzungen zum Auftreten dieser Koordinationszahl bzw. zu typischen Gründen
für die Abweichung vom Kepert-Modell.
- CN 2: Zwei Liganden L liegen immer diametral gegenüber, die Komplexe sind
linear, der Bindungswinkel L-M-L beträgt 180o.
Die Tatsache, dass lediglich zwei Liganden koordinieren, hat jedoch primär elektronische
Gründe. Bevorzugt findet sich CN=2 bei schweren (4d/5d) Element(ion)en mit
d10-Elektronenkonfiguration. Ein Musterbeispiel ist der
Diaminkomplex von Silber, [Ag(NH3)2]+.
Auch die lineare Koordination von Hg2+ in HgNH2Cl oder von Cu+
in Cu2O (Cuprit) sind nur mit s-d-Hybridisierungs-Effekten zu erklären.
- CN 3: Drei Liganden L ordnen sich in den Ecken eines Dreiecks an,
die Geometrie wird als trigonal planar beschrieben.
Der Bindungswinkel L-M-L beträgt 120o.
Komplexe mit dieser Koordinationszahl sind relativ selten .
- CN 4: Die ideale Geometrie bei vier Liganden L ist die
eines idealen Tetraeders; der Bindungswinkel L-M-L beträgt 109.4o.
Diese Koordinationszahl und -geometrie dominiert bei grösseren Liganden
(z.B. Halogenido-Liganden ab Cl- in 3d-Metall-Komplexen).
Im Fall von metallorganischen Komplexen wie Ni(CO)4 bestimmt die 18-Elektronen-Regel die eher kleine Koordinationszahl.
Der wichtigste Grund für die Abweichung von dieser Grundgeometrie
ist das Vorliegen einer d8-Elektronenkonfiguration
(s. quadratische Ligandenfelder, Abb. 8.3.25),
besonders bei hohen Ligandenfeldaufspaltungen.
- CN 5: Die Grundgeometrie bei fünf Liganden/Elektonenpaaren X ist die
trigonale Bipyramide (1-3-1). Die Bindungswinkel sind 120o zwischen
den drei äquatorialen und 90o zwischen den axialen und den
äquatorialen Liganden.
Besondere elektronische Situationen wie z.B. d4
in [MnIIICl5]2-
bedingen die Ausbildung von quadratisch-pyramidaler Koordination (1:4).
- CN 6: Die Oktaeder-Anordnung ist der günstigste Fall bei
sechs Liganden L. Das Oktaeder läßt sich als
Spezialfall einer quadatischen Bipyramide (1-4-1-Anordnung von L) oder
als Sonderfalls des trigonalen Antiprismas (3-3-Anordnung) betrachten.
Die Bindungswinkel zwischen benachbarten Liganden sind 90o.
Abweichungen von dieser idealen Anordnung sind
entweder nur marginal (vgl. Jahn-Teller-Effekt bei d1- oder d9-Konfiguration)
oder (bei Ausbildung von trigonal-primatischer Koordination) auf
sehr spezielle d-Elektroneneinflüsse zurückzuführen.
- CN 7: Bei sieben Liganden L gibt es unterschiedliche
Grundpolyeder, die sich allerdings nur sehr wenig in ihren Energien unterscheiden:
- Die pentagonale Bipyramide (1-5-1) entspricht dem klassischen Kepert-Modell.
- Das einfach überkappte Oktaeder (1-3-3).
- Eine als 1-2-2-2 zu beschreibende Anordnung (s. Abb. 8.3.10).
Komplexe mit Koordinationszahl sieben sind vergleichsweise selten, Beispiele für alle
Geometrien s.u.
- CN 8: Auch bei acht Liganden L liegen die
beiden wichtigsten Grundgeometrien (jeweils 4:4)
- archimedisches (quadratisches) Antiprisma oder
- archimedisches (quadratisches) Prisma (Würfel)
energetisch ebenfalls eng beieinander. Das quadratische Antiprisma entspricht dabei
dem Kepert-Modell, die Würfel-Geometrie ist bei freien Komplexen selten (Beispiele s.u.), dominiert
aber bei Salzen.
- CN 9: Die Grundgeometrie, die auch meist bei CN=9 vorliegt, ist
das dreifach überkappte trigonale Prisma (3-3-3).
- CN 10: Geometrisch am günstigsten ist hier das Dodekaeder, 2-2-2-2-2-Anordnung
(flaches und um 90o gedrehtes gestrecktes Tetraeder).
- CN 11: Gibts sowas ?
- CN 12: Ikosaeder (1-5-5-1, oder doppelt überkapptes pentagonales Antiprisma), besser gehts nicht!
- ... wer Spass hat und mehr will ... für Koordinationszahlen > 12 s. die Vorlesung Intermetallische Phasen,
speziell das Kapitel zu Frank-Kasper-Phasen.
Weitere Beispiele s.u. im Kontext der geometrischen und Stereo-Isomerie.
Zumeist abhängig von der Koordionationszahl gibt es bei der Koordination verschiedener Liganden
dann jeweils eine grosse Anzahl von Isomerie-Möglichkeiten.
Nur bei der sog. Konstitutionsisomerie, bei der eine Gesamtverbindung
mit einem Komplex-Anion oder -Kation nach unterschiedlichen Verknüpfungsprinzipien
aufgebaut ist, besteht grundsätzlich keine Abhängigkeit von der Koordinationszahl:
- Bei der Ionisations-Isomerie ist der Ligand einmal echter Ligand, im anderen Isomer
dagegen echtes Gegenion. Die Isomerie ist also durch einen Tausch zwischen Liganden und Ionen
zu beschreiben:
[Pt4+(NH3)4Cl2]Br2
⟶
[Pt4+(NH3)4Br2]Cl2
Das Foto in Abbildung 8.3.12. zeigt, dass die beiden Ionisations-Isomere [Co(NH3)6]Br3 (links)
und [Co(NH3)5Br]Br2 (rechts) vollkommen unterschiedliche
physikalische und chemische Eigenschaften
haben, sichtbar z.B. die Farbe.
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| 8.3.12. Die beiden
Ionisations-Isomere [Co(NH3)6]Br3 (links)
und [Co(NH3)5Br]Br2 (rechts).
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- Ein Spezialfall der Ionisations-Isomerie ist die Hydratationsisomerie, bei
der H2O einmal als Ligand fungiert, einmal als Kristallwasser eingebaut ist:
[Cr3+(H2O)6]Cl3 (violett) ⟶
[Cr3+(H2O)5Cl]Cl2 . H2O (graublau)
⟶ trans-[Cr3+(H2O)4Cl2]Cl. 2 H2O (grün)
| ⚗ Cr(III)-Komplexe
(28MB|MP4|H264) |
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Beim Auflösen von Cr-Alaun (KCrSO4. 12 H2O) in Wasser liegt zunächst der blauviolette Hexaquakomplex
vor, der beim Erhitzen mit viel festem NaCl in den grünen trans-Dichlorido-Komplex übergeht.
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Wie im Experiment oben ist auch der Austausch von zwei Wasser-Liganden
in [CrIII(H2O)6]3+
durch Sulfat (sulfato) möglich. Dies
führt z.B. beim Erhitzen von gelöstem
Chromalaun zum dann ebenfalls grünen Komplex
[CrIII(H2O)4(SO4)]+.
Diese Reaktion soll beim beim Abkühlen reversibel sein (NICHT in endlicher Zeit, z.B. in der Vorlesung!).
- Koordinationsisomerie tritt bei Salzen aus zwei komplexen Ionen auf.
Z.B. sind [Pt2+(NH3)4][Pt4+Cl6] und
[Pt2+Cl4][Pt4+(NH3)4Cl2]
Koordinationsisomere zueinander.
- Bindungs-Isomerie tritt dann auf, wenn Liganden in isomeren Formen gefunden werden können,
d.h. verschiedene Koordinationsstellen an einem Liganden auftreten. Z.B. kann Thiocyanat, SCN-, das
einmal am S, einmal am N koordiniert.
Bindungsisomere sind demnach:
[Rh3+(NH3)5(NCS)]Cl2 ⟶
[Rh3+(NH3)5(SCN)]Cl2
Die jeweils genutzte Koordinationsstelle des Liganden lässt sich meist nach dem HSAB-Konzept
verstehen. So koordiniert z.B. SCN- mit der 'harten' Stickstoff-Seite an die
meisten 3d-Metallkationen (z.B. beim blutroten Fe(III)-Komplex, vgl. Versuch 'Fe-Kaskade' unten).
Ebenso ist im Grundzustand des Farbträgers [FeIIFeIII(CN)6]- von
'Berliner Blau' die 'weiche' C-Seite von CN- (schwarze Kugeln in Abb. 8.3.26.)
am Fe2+ (gelbe Kugeln) koordiniert
(s. ebenfalls beim Versuch 'Fe-Kaskase' unten, sowie die Struktur des Farbträgers in Abb. 8.3.26).
- Polymerisations-Isomere haben bei gleicher Zusammensetzung verschiedene Molekülgrößen.
Z.B. sind das gelbe Reiset-Salz [Pt2+(NH3)2Cl2] und das
grüne Agnussalz [Pt2+(NH3)4][PtCl4] Polymerisationsisomere.
Neben diesen Konstitutionsisomerie gibt es geometrische bzw. Stereo-Isomere,
die von der Koordinationszahl abhängen und
bei denen die Zahl der Isomere mit der Koordinationszahl stark zunimmt.
Die wichtigsten Koordinationszahlen und die jeweils möglichen stereo- und optischen Isomere sind:
(Gesamtübersicht: ‣SVG)
- CN 2 (linear):
Die lineare Zweier-Koordination ist relativ selten und kommt praktisch nur bei d10-Systemen
wie z.B. in Komplexen von (Ni/Pd/Pt)0, (Ag/Au)I und HgII vor.
Hier wird sie häufig auch nur mit sperrigen Liganden wie z.B. PPh3
beobachtet. Eine Ausnahme sind die Au-, Pt- und Hg-Komplexe, bei denen wegen relativistischer Effekte
auch mit anderen Liganden lineare Koordination auftritt.
Bekannte Beispiele sind [Au(CN)2]- oder HgCl2.
- CN 3 (trigonal planar):
Wie die Koordinationszahl zwei ist auch drei recht selten. Ein Beispiel eines Komplexes
mit CN=3 ist [Ag(PR3)2I].
- Für die CN 4 gibt es zwei Möglichkeiten der geometrischen Anordnung:
- Die planare Anordnung ist meistens energetisch ungünstiger
als die Tetraederanordnung.
Sie tritt nur mit besonderen Metall-Atomen bzw. Liganden auf wie
- Wenn der Ligand L selbst eine quadratische
planare Komplexgeometrie aufweist, wie z.B. bei Porphin-Systemen (s. Abb. 8.3.11.).
- Die planare Koordination ist aus elektronischen Gründen (s.u.) sehr häufig bei
d8-Metallzentren wie z.B. Co/Rh/Ir(I), Ni/Pd/Pt(II) und Cu/Ag/Au(III).
Einige Beispiele für Komplexe mit planarer Koordination sind
[Cu(CN)4]3-, [(NH3)2PtCl2]
und Ni-Diacetyldioxim (Ni(DADO)2 s. Video und Struktur in Abb. 8.3.15.).
Bei Komplexen vom Typ [MA2B2] gibt es hier cis-trans-Stereoisomerie (s. Abb. 8.3.13.):
Ein Beispiel ist der Platin-Komplex [Pt(NH3)2Cl2], mit
den die beiden chemisch unterschiedlichen Stereoisomeren:
- trans-Isomer: Reisets-Chlorid (schwefelgelb)
- cis-Isomer: Pyrons-Chlorid (orange)
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Abb. 8.3.13. Cis-trans-Isomerie bei Komplexen [MA2B2]
‣SVG
|
- Die tetraedrische Koordination
kommt bei großen und/oder hoch geladenen Liganden
sowie bei kleinen Metall-Atomen und/oder solchen mit d10-Elektronenkonfiguration vor.
Typische Beispiele sind einfache Halogenido- und Oxidometallate [MX4]n-
oder Neutralkomplexe wie TiCl4 oder Ni(CO)4.
Bei Komplexen vom Typ [M4], [MA3B] und MA2B2]
gibt es keine Isomere. Nur bei Komplexen des Typs [MABCD],
also wenn alle vier Liganden unterschiedlich sind,
gibt es (vgl. C in der organischen Chemie) zwei optische Isomere, die chemisch und physikalisch
gleich sind, aber die Polarisationsebene polarisierten Lichtes in entgegengesetzte Richtungen
drehen. Die beiden Isomeren sind Bild und Spiegelbild zueinander, lassen sich
also nicht direkt zur Deckung bringen (Abwesenheit von Symmetrieelementen 2. Art
(Inversionszentren bzw. Spiegelebenen!).
|
| Abb. 8.3.14. Optische Isomerie bei
Komplexen vom Typ [MABCD]
‣SVG
|
| ⚗ Ni(II)-Komplexe
(48MB|MP4|H264) |
|
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Ni(II)-Komplexe mit drei verschiedenen Koordinations-Zahlen/Geometrien: Ni(II) ist im festen NiSO4 oktaedrisch
(von den O-Atomen der Sulfat-Gegenionen) koordiniert.
Auch im paramagnetischen blasshellgrünen Hexaqua-Komplex ist es oktaedrisch koordiniert.
Mit dem größeren Chlorid als Ligand bildet sich beim Erhitzen der vierfach koordinierte
tetraedrische Tetrachlorido-Nickelat(II)-Komplex, der tiefgelbgrün ist.
Wegen der (z.B. im Unterschied zu Pd/Pt(II)-Komplexen schwachen Aufspaltung) wird
die für die d8-Elektronenkonfiguration typische quadratisch-planare
Umgebung nur mit Liganden wie z.B. 'Diacetyldioxim' erreicht (Struktur s. Abb. 8.3.15.).
|
|
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| Einzelmolekül
‣VRML |
Elementarzelle (Seitenansicht)
‣VRML |
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|
| Molekülstapel
‣VRML |
Elementarzelle (Projektion) |
|
Abb. 8.3.15. Struktur von Ni(dmg)2 (Ni-DADO)
|
- Auch bei der insgesamt relativ seltenen Koordinationszahl fünf (CN 5)
gibt es zwei Möglichkeiten für das ideale Koordinationspolyeder:
- trigonal bipyramidal (1-3-1) wie z.B. bei Fe0(CO)5 oder [CuIIBr5]3- (entspr.
Kepert-Modell).
- quadratisch pyramidal (1-4) wie z.B. in [MnIIICl5]2-.
- Bei der extrem häufigen Sechser-Koordination (CN 6) ist
natürlich das wichtigste Polyeder das Oktaeder (= trigonales Antiprisma),
es gibt jedoch auch einige wenige Beispiele für trigonale Prismen.
- Die oktaedrische sechsfache Koordination ist sehr häufig. Je nach Zahl und Art
der Liganden kann es verschiedene Isomere geben:
- Bei Komplexen des Typs [MA4B2] gibt es wie im
planarquadratischen Fall cis-trans-Isomerie (Abb. 8.3.16.)
z.B. für [Co(NO2)2(NH3)4].
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| Abb. 8.3.16. Isomerie bei Komplexen [MA4B2]
‣SVG
|
- Sind jeweils drei gleiche Liganden vorhanden (Komplextyp [MA3B3])
unterscheidet man die meridionale (drei gleiche Liganden in einer quadratischen Ebene)
und die faciale (drei gleiche Liganden auf einer Dreiecks-Fläche) Koordination (s. Abb. 8.3.17.).
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| Abb. 8.3.17. Isomerie bei Komplexen [MA3B3]
‣SVG
|
- Bei Komplexe mit je zwei gleichen Liganden (Typ [MA2B2C2])
können alle cis-ständig zueinander angeordnet sein (sogenannte cis/cis/cis-Stereoisomere).
In diesem Fall gibt es, wie Abb. 8.3.18. zeigt, zwei optische Isomere.
Weitere Isomere sind die trans/cis/cis- (nur zwei Liganden stehen zusammen) und die
die trans/trans/trans-Form, in der sich alle gleichen Liganden gegenüberstehen.
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| Abb. 8.3.18. Isomerie bei Komplexen [MA2B2C2]
‣SVG
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Bei Chelatliganden (s. Abb. 8.3.13.) gibt es darüberhinaus noch weitere Isomere, vor allem Stereoisomere:
- Bei den sehr häufigen oktaedrischen Komplexen mit drei gleichen Chelatliganden [M(A-A)3]
gibt es zwei optische Isomere (s. Abb. 8.3.12.). Ein schönes Beispiel hierzu
sind die historisch wichtigen Acetylacetonato-Komplexe.
| ⚗ Synthese von FeIII(acac)3 |
- Komplexe [M(A-A)2B2] mit zwei Chelat-Liganden und zwei anderen gleichen Liganden
gibt es bei der cis-Anordnung ebenfalls zwei optische Isomere.
- Bei einem vierzähnigen Ligand [M(A-A-A-A)B2] und zwei weiteren gleichen einzähnigen Liganden
gibt es in der cis-Anordnung zwei Paare aus Stereoisomeren, bei trans-Komplexen dagegen nur ein Isomer.
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| Abb. 8.3.19. Isomere bei oktaedrischen Chelat-Komplexen
‣SVG
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Die Tabelle 8.3.1. enthält die VRML-Abbildung der besprochenen Isomere.
| Tab. 8.3.1. VRML-Links zu den besprochenen Isomere
(A,B und C stehen hier für unterschiedliche Liganden, A1 und A2 usw. sind
jeweils Stereoisomere zueinander, die am besten direkt nebeneinander betrachtet
werden. Achtung: Das ganze ist eine stark vereinfachte Darstellung, jede gelbe "Bindung" steht für einen
Chelatliganden).
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- Für die trigonal-prismatische Sechserkoordination gibt es
keine Beispiele mit klassischen einzähnigen Liganden. Diese Anordnung von sechs
Liganden findet sich jedoch bei einigen Übergangsmetall-Alkylen wie z.B. [M(CH3)] (M= )
und bei einigen mehrzänigen Liganden mit sperrigen Resten R wie z.B. [Re(S-CR=CR-S)3].
- Höhere Koordinationszahlen als sechs sind relativ selten:
- Für die Koordinationszahl CN 7 gibt es drei energetisch eng
benachbarte geometrische Anordnungen der Liganden:
- pentagonal-bipyramidal, z.B. [ZrF7]3- (gem. Kepert)
- überkappt oktaedrisch, z.B. [WF7]-
- überkappt trigonal-prismatisch (Viereck überkappt) z.B. NbF72-
- Für die Koordinationszahl CN 8 gibt es ebenfalls drei energetisch eng
benachbarte geometrische Anordnungen der Liganden:
- quadratisch-antiprismatisch z.B. [Sr(H2O)8]2+ (Kepert-konform)
- würfelförmig (quadratisch prismatisch) z.B. [U(bipy)4]
- dodekaedrisch z.B [ZrF8]4-
- Der Endpunkt an Liganden ist die CN 12 mit idealer
ikosadrischer Umgebung der Liganden, wie sie z.B. in [Ce(NO3)6]3-
vorkommt.
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8.3.3. Stabilitäten von Komplexen
Die thermodyamische Stabilität von Komplexen wird mit den Komplexbildungskonstanten Kn
(isolierte Komplexbildungskonstante für den Tausch eines Liganden) bzw. ß = KB
(für den Tausch aller Liganden) beschrieben.
Dabei handelt es sich einfach um die Gleichgewichtskonstanten der jeweiligen Ligandensubstitutionen.
Die Wasserkonzentration ist in wässriger Lösung konstant und entfällt (bzw. wird in K indirekt mit berücksichtigt).
Es gilt also für die Komplexbildung insgesamt:
[M(H2O)p]m+ + n L ⟶
[MLn]m+ + p H2O
nach dem Massenwirkungsgesetz:
KB = ßn = c[MLn]m+ /
c[M(H2O)p]m+ . cnL
Diese Gesamtbildungskonstante kann aus den individuellen Gleichgewichtskonstanten
der einzelnen Ligandaustauschreaktionen zusammensetzt werden:
KB = ßn = K1 . K2 . K3 . K4
So ist beispielsweise die isolierte Gleichgewichtskonstante K1
der ersten Ligandensubstitution des in wässriger Lösungen vorliegenden Hexaquakomplexes von Chrom(III)
durch Chlorid
[Cr(H2O)6]3+ + Cl- ⟶
[Cr(H2O)5Cl]2+ + H2O
zu formulieren als:
K1 = c[Cr(H2O)5Cl]2+ /
c[Cr(H2O)6] . cCl-
Es gilt fast immer:
K1 > K2 >K3 >K4
d.h. die Substitution des ersten Liganden ist i.A. einfacher möglich als die weiterer
Liganden.
| ⚗ Gleichgewichtsverschiebung bei Cu-Komplexen mit H2O bzw. Cl- als Ligand |
Der Versuch zeigt die Konzentrationsabhängigkeit der vorliegenden Komplexe von Cu(II)
in Chlorid-haltiger wässriger Lösung:
[Cu(OH2)4]2+ + 4 Cl- ⟶
[CuCl4]2- + 4 H2O
Die Gesamtbildungskonstante ß, die sich nach
ß = K1 . K2 . K3 . K4
aus den individuellen Bildungskonstanten (Addition von jeweils einem Liganden) zusammensetzt,
lautet für diese Reaktion:
ß = c[CuCl4]2- /
c[Cu(OH2)4]2+ .
c4Cl-
Danach liegt bei hohen Chlorid-Ionen-Konzentrationen der grüne Chlorido-, bei niedrigen
Chlorid-Ionen-Konzentrationen dagegen der blaue Tetraaquakomplex vor.
Aus den einzelnen Komplexstabilitäten lassen
sich die prozentualen Verteilungskurven der einzelnen Komplexe in Abhängigkeit von
der Konzentration des Liganden berechnen. Diese Verteilungskurven (s. schematisch Abb. 8.3.20) zeigen
anschaulich die gekoppelten Gleichgewichte und die Stabilitätsbereiche der jeweiligen
Koordinationsverbindungen.
|
| Abb. 8.3.20. Typische Gleichgewichtskonzentrations-Kurven
‣SVG
|
Bei vielen Liganden ist zudem zu berücksichtigen, dass die Komplexbildung pH-abhängig
sein kann.
| ⚗ Cu(II)-Tetramminkomplex: pH-abhängige Gleichgewichte |
Z.B. 'konkurrieren' bei der Reaktion von Ammoniak mit Cu(II) beim Nachweis als Tetramin-Komplex
Protonen und die Kupferionen um den 'Liganden' Ammoniak nach:
H+ + NH3 ⟶ NH4+ (entscheidend: pKB)
Mm+ + n NH3 ⟶ [M(NH3)n]m+ (entscheidend: ß)
und bei Zugabe von Ammoniak zu einer Cu(II)-Salzlösung fällt zunächst das
Hydroxid aus, das sich im Überschuss von Ammoniak, d.h. bei hohen pH-Werten, als
Ammin-Komplex wieder auflöst. Beim Ansäuern (Zugabe von HCl) wird der Aquakomplex
zurückgebildet, da die Ammoniak-Liganden protoniert werden.
Cu2+ ⟶ (+NH3) ⟶ Cu(OH)2 ⟶ (+NH3) ⟶
[Cu(NH3)4]2+ ⟶ (+HCl) ⟶ [Cu(H2O)4]2+
Zur Stabilität von Komplexen mit Chelateffekt s. Kap. 8.3.5.
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8.3.4. Bindung in Komplexen
Die chemische Bindung in Komplexen kann nach drei Theorien beschrieben werden:
- Valence Bond (VB) Theorie (!! bzgl. der Ideen zur Hybridisierung veraltet !!)
- Kristallfeld- bzw. Ligandenfeldtheorie
- Molekülorbital (MO) Theorie
1. Valence Bond (VB) Beschreibung
Die einfache VB-Theorie geht auf Heitler und London (1927) zurück
und nimmt eine kovalente Beschreibung der Bindung zwischen Metall und Ligand vor, d.h.
Metall und Ligand teilen sich Elektronenpaare, wobei die Elektronen vom Liganden kommen.
Dies entspricht einer Lewis-Säure (M) - Lewis-Base (L) Beschreibung.
Diese einfache Theorie ist heute nicht mehr aktuell, weil sie zur
Erklärung
- der Geometrie
- sowie der magnetischen Eigenschaften
von Komplexen unphysikalische Hybridisierungen erfordert. Auch ist sie nicht in der Lage, die
von Komplexen zu erklären.
Trotzdem sind einige der Annahmen der VB-Methode nicht nur aus historischer Sicht
relevant:
Die VB-Beschreibung fordert im Einzelnen:
- Es werden kovalente σ-Bindungen durch Überlappung von
leeren, nach der Geometrie der Liganden hybridisierten Metallorbitalen
mit gefüllten Orbitalen einer Donorgruppe
gebildet, d.h. die Liganden müssen mindestens ein einsames Elektronenpaar haben (s. Abb. 8.3.21.).
|
| Abb. 8.3.21. Bindungsmodi der VB-Theorie
‣SVG
|
- Für die Zentralatome wird die Edelgasschale (18 Elektronen-Regel)
angestrebt, d.h. bei der Komplexbildung sollte die Elektronenkonfiguration d10s2p6
erreicht werden. Diese 18 Elektronen-Regel entspricht damit der Oktett-Regel der Hauptgruppenchemie.
Als Beispiel verschiedene Eisen-Komplexe:
- Fe2+ mit der Elektronenkonfiguration d6 braucht weitere
12 Elektronen, d.h. sechs Elektronenpaar/Liganden, d.h. stabile Komplexe wie
[FeII(CN)6]4- sind elektronenpräzise.
- Fe0 mit d8-Elektronenkonfiguration braucht 10 weitere
Elektronen entsprechend 5 Paaren, z.B. Eisenpentacarbonyl [Fe(CO)5]
erfüllt die 18-Elektronen-Regel.
Es gibt allerdings viele Ausnahmen und Abweichungen (nach oben und unten) von dieser Regel.
Alle Metallionen mit ungerader Elektronenzahl sind in klassischen Komplexen betroffen.
Allerdings sind diese Verbindungen dann auch häufig redox-aktiv. Passend zu den obigen
Beispielen:
- [Fe3+(CN)6]3- ist als 17 Elektronenkomplex
ein Oxidationsmittel.
- Mit der Elektroneutralitätsregel
wird die Möglichkeit der π-Hin- und -Rückbindungen erklärt.
Da pro Ligand L das Metallzentrum M formal zwei negative Ladungen mehr bekommt,
erfolgt ein Ausgleich der negativen Ladung durch π-Rückbindung (back donation, s. Abb.
8.3.14. Mitte)
wenn der Ligand ein guter π-Akzeptor ist, d.h. z.B.
unbesetzte pπ-Zustände aufweist (wie z.B. CO, s. Abb.
8.3.16 für Ni(CO)4).
|
| Abb. 8.3.22. π-Rückbindung bei Ni(CO)4
‣SVG
|
Bei den Carbonylkomplexen ist die Frequenz der CO-Streckschwingung eine gute experimentelle
Sonde für das Ausmaß der Rückbindung.
Umgekehrt erfolgt bei sehr hoch geladenen Metallzentren auch
ein Ausgleich der positiven Ladung durch π-Hinbindung (s. Abb. 8.3.21. rechts), wenn
der Ligand als π-Donor fungieren kann, d.h. weitere nichtbindende Elektronenpaare
zur Verfügung stehen. Z.B. für [RuVIO4]2-:
|
| Abb. 8.3.23. π-Hinbindung bei [RuO4]2-
‣SVG
|
- Die Geometrie der Komplexe
läßt sich nach der VB-Methode nur erklären, indem M soviele entartete Hybrid-Orbitale
bildet, wie es der Koordinationszahl entspricht (vgl. die
Hauptgruppenchemie, z.B. sp3 = tetraedrisch).
Die wichtigsten Hybridisierungen und Geometrien sind
- sp3: Tetraeder (z.B. bei d10-Metallzentren)
- dsp2: quadratisch planar (z.B. für die LS 16 Elektronensysteme
der d8-Metallionen)
- sp3d2: Oktaeder
- d2sp3: Oktaeder
!! Diese Hybridbildung entspricht nicht den Ergebnissen theoretischen Rechnungen und
vieler aktueller Messungen. Insbesondere die Beteiligung der nächst-höheren
d-Zustände ist nicht korrekt!
- Beispiele für historische Erklärungsversuche von Ni- und Fe-Komplexen mit dem VB-Modell:
|
| Abb. 8.3.24. VB-Methode für Fe- und Ni-Komplexe
‣SVG
|
- Zur Erklärung des Magnetismus, d.h. der
Unterscheidung in High-Spin (HS; Outer-Orbital; Anlagerungskomplexe) und Low-Spin (LS; Inner-Orbital;
Durchdringungskomplexe) Komplexe,
wird unterscheiden, welche Orbitale des Metallions mit den Ligandzuständen überlappen.
Auch hierzu wird dabei wieder die unphysikalische Hybridisierung verwendet!
- High-Spin (HS): Die ungegepaarten Elektronen in den d-Orbitalen bleiben wie im freien M- Ion.
Damit ist die Zahl der ungepaarten Elektronen maximal (Hund'sche Regel), und es liegt
maximaler Paramagnetismus vor.
Beispeile für HS-Komplexe von Fe(III) (d6) sind [FeII(H2O)6]2+
und [FeIIIF6]3-, (nach VB) der Elektronenkonfiguration
sp3d2.
High-Spin-Komplexe heissen auch magnetisch normal oder outer-orbital.
- Low-Spin (LS): Wenn die ungepaarten Elektronen in den d-Orbitalen paarweise "zusammenrücken" und
die Zahl der ungepaarten Elektronen damit kleiner ist als im freien Ion liegt damit
minimaler Paramagnetismus vor. Beispiele sind bei d6 die
Komplexe [FeII(CN)6]4- oder [FeIII(NH3)6]3+
oder Fe(CO)5. In der VB-Beschreibung liegt die d2sp3-Hybridisierung
vor, die Komplexe heissen auch magnetisch anomal oder inner-orbital.
2. Ligandenfeld/Kristallfeld-Theorie
Mit der ebenfalls vergleichsweise einfachen
Liganden- oder Kristallfeld-Theorie gelingt die Erklärung
- der Farbe und der optischen Spektren
- sowie die Beantwortung der HS/LS-Frage (bei Komplexen mit d4 bis d7)
Bei dieser Theorie wird keine kovalente Bindung zwischen M und L angenommen,
sondern eine reine elektrostatische Betrachtung der Wechselwirkung vorgenommen.
Bei der Annäherung von Liganden L an ein Metallzentrum M
kommt es bei besetzten d-Zuständen
wegen der Abstoßung der d-Elektronen und der Ligandenelektronen-Paare
zur energetischen Anhebung der d-Zustände.
Bei Betrachtung der Form der fünf d-Orbitale wird deutlich, dass diese sich
je nach Anordnung der Liganden (Geometrie des Komplexes) unterscheiden.
Bei kubischem Feld (Tetraeder- oder Oktaeder-Geometrie) verbleiben
zwei Arten von Orbitalen:
- Die Orbiale dxy, dxz und dyz liegen zwischen den Achsen
(nach Mullikan: t2g-Orbitale im Oktaeder; t2-Orbitale im Tetraeder).
- Das dx2-y2- und das dz2-Orbital
liegen dagegen auf den Achsen des kubischen Systems
(eg-Orbitale im Oktaeder; e-Orbitale im Tetraeder).
Hinweis: Die Bezeichnung der Orbital erfolgt durch Mulliken-Symbole:
- e, t: 2- bzw. 3-fach entartet
- g = gerade = inversionssymmetrisch (hier nur bei Oktaedern)
- 2 = haben keine 2-zählige Achse bzw. Spiegelebene
|
| Abb. 8.3.25. Ligandenfeldaufspaltung
‣SVG
|
Für oktaedrische und tetraedrische Komplexe ergeben sich die energetischen Lagen der beiden Sätze
von d-Orbitalen:
- Bei Oktaeder-Geometrie liegen die sechs Liganden auf den Achsen.
Die Orbitale dxy, dxz und dyz liegen zwischen den Achsen und
es kommt damit nicht zur elektrostatischen Abstoßung zwischen den Liganden durch die d-Elektronen.
In der Folge werden diese Orbitale energetisch abgesenkt.
Dagegen liegen dx2-y2 und dz2 auf den Achsen, es kommt
direkt zur Abstoßung zwischen den Ligand- und den Metall-d-Elektronen,
diese Orbitale werden energetisch angehoben.
Es entstehen damit zwei Sätze von Orbitalen mit einem Energieabstand von Δo = 10 Dq,
wobei nach dem Schwerpunktsatz die unteren Zustände um 4 Dq erniedrigt, die oberen um 6 Dq erhöht sind.
- Bei Tetraeder-Geometrie liegen die vier Liganden zwischen den Achsen.
Da wieder dxy, dxz und dyz ebenfalls zwischen den Achsen liegen,
kommt es hier zur Abstoßung der Ligand-Elektronenpaare durch die d-Elektronen,
hier werden diese drei Orbitale energetisch angehoben.
Umgekehrt liegen dx2-y2- und dz2-Orbitale auf den Achsen,
es gibt keine Abstoßung, diese Zustände sind energetisch abgesenkt.
Wieder weisen die beiden Sätze von d-Orbitalen eine Energielücke, hier Δt, auf.
Der Vergleich zwischen Oktaeder- und Tetraeder-Geometrie zeigt, dass die energetische Aufspaltung im
Oktaederfall etwa doppelt so groß ist wie im Tetraederfall:
Δt = 4/9 Δo
Daraus folgt, dass alle Effekte der energetischen Aufspaltung bei Besetzung der Oktaedergeometrie
ausgeprägter sind
(bei Festkörpern spricht man von Octahedral Site Preference-Energy als
Teil der Gitternenergie von Ionenkristallen, s. Strukturchemie-Vorlesung).
- Die Aufspaltung der d-Zustände bei quadratischer Geometrie
läßt sich einfach aus der Oktaederaufspaltung durch 'Wegziehen' zweier gegenüberliegender Liganden
verstehen. Zwischen idealem Oktaeder und Quadrat liegt ein tetragonal elongiertes (verzerrtes) Oktaeder
(Jahn-Teller-Effekt bei d9-Ionen).
Häufig liegen die dz2-Orbitale, wie in Abb. 8.3.25. rechts eingezeichnet,
noch unter dem t2g-Orbitalsatz.
Veranschaulichung mit VRML-2 (freewrl, lookat)
Aufspaltung der d-Zustände im oktaedrischen und tetraedrischen Ligandenfeld (umschaltbar, und hier als Video:)
| ✍Video zur Ligandenfeldaufspaltung (34MB|MP4|H264) |
|
Die genannte Aufspaltungen der d-Zustände hat verschiedene wichtige Auswirkungen
für die Koordinationschemie und die Eigenschaften von Komplexen:
- Die Komplexe sind durch die Besetzung der niedrig liegender Zustände energetisch
stabilisiert. Diese Energie nennt man Ligandenfeldstabilisierungsenergie (LFSE).
Im oktaedrischen Fall beträgt die LFSE für
- d1: 4 Dq,
- d2: 8 Dq
- HS-d5: 0 Dq
- LS-d5: 20 Dq
Besonders groß ist die LFSE damit für die d3- und LS-d6-Elektronenkonfiguration.
Sie erklärt damit die große Stabilität z.B. von Cr3+ (d3) und
Co3+ (LS-d6).
Die LFSE liefert bei Festkörpern auch einen Gitterenergiebeitrag.
Z.B. liegt im gemischtvalenten Fe3O4 mit Spinell-Struktur
(MgAl2O4: f.c.c. von O; Mg2+ in Tetraeder-, Al3+ in
Oktaederlücken wegen der LFSE von Fe2+ = d6 = 4 Dq
ein Inversspinell vor. Die zweiwertigen Ionen besetzten im Unterschied zum Muttertyp
hier die Oktaederlücken der
kubisch dichtesten Packung von Oxid-Ionen).
- Die Frage, ob jeweils ein HS- oder ein LS-Komplexe stabiler ist, läßt sich nun klar beantworten:
- Wenn Δ größer ist als die Spinpaarungsenergie ist der LS-Komplex stabiler.
- Wenn Δ kleiner ist als die Spinpaarungsenergie ist der HS-Komplex stabiler.
Diese Fragen sind natürlich nur relevant bei
- d4,5,6,7-Elektronenkonfiguration im oktaedrischen Feld
- d3,4,5,6-Elektronenkonfiguration im tetraedrischen Feld.
- Das Ausmass der Aufspaltung und damit auch die Tendenzen zum Auftreten von HS- bzw. LS-Komplexen
folgt aus der Stellung des Metallzentrums und der Liganden in den beiden sogenannten spektrochemischen
Reihen.
Für die Liganden:
| schwaches Ligandenfeld |
mittleres Ligandenfeld |
starkes Ligandenfeld |
| bevorzugt HS |
HS oder LS |
bevorzugt LS |
| I- |
SCN- |
Cl- |
OH- |
H2O |
NH3 |
NO |
CN- |
CO |
Für die Metalle/Metallionen:
| schwaches Ligandenfeld |
starkes Ligandenfeld |
| bevorzugt HS |
bevorzugt LS |
| Mn2+ |
Fe2+ |
Fe3+ |
Ru2+ |
Ru3+ |
Pt4+ |
In die Abfolge der Metalle und Liganden in diesen Reihen gehen
sowohl die Härte (Pearson HSAB-Konzept: links weich, rechts eher hart) als auch eher Orbital-bedingte Grössen ein
(Faktorisierung von Δ = fg; Δ steigt mit steigender σ-Überlappung und
mit schwächer werdender π-Überlappung, vgl. Master-Studium und Details der MO-Theorie).
Beispiele für Komplexe mit d6-Metallzentren:
Der Einfluß des Liganden L zeigt sich an der Tatsache, dass z.B. der Hexaquakomplex
[FeII(H2O)6]2+, d.h. bei einem Liganden mit
schwachem Ligandenfeld eine HS-Konfiguration aufweist.
Dagegen ist der entsprechende Cyanidokomplex [FeII(CN)6]4-
(L mit starker Ligandenfeldaufspaltung) ein LS-Komplex.
Der Einfluß der spektrochemischen Reihe der Metalle wird aus der Tatsache erkennbar, dass
der Hexaquakomplex des schwereren Homologen von Eisen
[RuII(H2O)6]2+
bereits mit H2O als Ligand ein Low-Spin-Komplex ist (M mit starker Ligandenfeldauspaltung).
Als Faustregel kann man auch festhalten, dass 4d- und 5d-Metalle wegen der stark kovalenten
Wechselwirkung zwischen M und L (ausgedehnte d-Zustände) praktisch ausschließlich
Low-Spin-Komplexe ausbilden.
- Daraus folgt auch direkt die Erklärung für den Magnetismus der Komplexe
aus der Besetzung der Zustände.
Die magnetischen Momente betragen:
μB = μmag = √n(n+2) μB
D.h. zum Beispiel für
- die HS-d5 Konfiguration (5 ungepaarte Elektronen): μ = 5.92 μB
- die LS-d5 Konfiguration (1 ungepaartes Elektron): μ = 1.73 μB
Auch für Stoffe mit kollektivem Magnetismus (z.B. ferro- und ferri-magnetische Materialien)
kommen daher nur 3d-Elemente mit zahlreichen ungepaarten Spins in Betracht, z.B. Fe(III) mit Oxid-Liganden,
d.h. in der HS-Konfiguration (maximaler Paramagnetismus als Voraussetzung für effektiven
kollektiven Magnetismus).
- Die Farbigkeit von Komplexen
kann (bedingt, s.u.) als Folge von Übergängen zwischen den beiden Sätzen von d-Zuständen
erklärt werden. Sie ist mit der Ligandenfeldstärke (spektrochemische Reihen, s.o.) korreliert und
bedingt (s.u.) zur Bestimmung der Aufspaltung geeignet.
- Beispielsweise ist [Ni(NH3)6]2+ blau, das starke
Ligandenfeld entspricht einer kürzeren Wellenlänge bzw. höherer Energie.
Der direkte erste erlaubte Übergang ν1 liegt mit 129 kJ/mol allerdings im Infraroten,
erst der zweite erlaubte Übergang ν1 bewirkt Absorption im Orangen, der Komplex erscheint blau.
Dagegen ist der Hexaquakomplex [Ni(H2O)6]2+ grün,
das schwache Ligandenfeld von Wasser bewirkt die Absorption bei längerer Wellenlänge (=niedrigere
Energie). Auch hier liegt ν1 mit 102 kJ/mol im Infraroten, erst
der zweite erlaubte Übergang ν2 bewirkt die Absorption im Roten, der Komplex erscheint grün.
Bei jedweder Betrachtung von Farbigkeiten von Komplexen ist unbedingt zu beachten:
- Eine exakte Erklärung erfordert die Berücksichtigung von Spin-Spin- und Spin-Bahn-Kopplungen
(JJ/RS-Kopplung, Tanabe-Sugano/Orgel-Diagramme, vgl. Methodenvorlesung im Hauptstudium).
- d⟶d-Übergänge sind grundsätzlich Laporte-Verboten,
die Nebenquantenzahl beider Atom-Zustände ist ja gleich.
In zentrosymmetrischen Molekülen wie z.B. Oktaedern (!) sind sie zusätzlich auch
paritäts-verboten (g-g-Übergang), d.h. die resultierenden Farbintensitäten sind gering (blasse Farben).
Kommt noch ein Spinverbot hinzu (wie z.B. bei d5-Ionen
Mn2+ oder Fe3+), dann sind die Komplexe praktisch farblos.
- Ein schickes Beispiel (Geheimtinte!) ist hier der Farb- und vor allem
Intensitätswechsel von [CoII(H2O)6]2+ (HS, sehr blass
rotviolett, oktaedrisch, paritäts-verboten) zu [CoCl4]2- (blau, tetraedrisch,
paritäts-erlaubt).
| ⚗ Co(II)-Komplexe ('Geheimtinte' oder 'Wettermännchen')
(XXMB|MP4|H264) |
|
|
Co(II)-Komplexe in oktaedrischer und tetraedrischer Geometrie: Demonstation
des Paritätsverbotes.
|
- Die intensiven Farben der Komplexe werden meist durch andere elektronische Übergänge
wie L⟶M-CT, L⟶L-Anregung oder gleich
durch Gemischtvalenz usw. usw. hervorgerufen (s. auch Vorlesung Anorganische Pigmente).
Im Video der 'Fe-Kaskade' sieht man z.B. die Farbigkeit verschiedener Fe(III)-Komplexe (d5) bei Ligandwechsel:
| ⚗ 'Fe-Kaskade'
(XXMB|MP4|H264) |
|
Fe-Kaskade:
- [Fe(H2O)6]3+ (HS, farblos, da Spinverbotene Übergänge)
- [Fe(NCS)(H2O)5]2+ (blutrot, durch Übergänge im Liganden!)
- [FeF6]3- (HS, farblos, da Spinverbotene Übergänge)
- [Fe(CN)6]4- (LS, Δ=419 kJ/mol, Absorption im Blauen, Farbe: gelb)
- [FeIIFeIII(CN)6]-
(Berliner Blau, s. Abb. 8.3.26.; Farbe durch M-⟶M-CT)
|
|
| Abb. 8.3.26. Struktur des Farbträgers in 'Berliner Blau'
‣VRML |
- Ionenradien: LS-Ionen haben etwas kleinere Ionenradien, da die Liganden wegen der geringeren Abstoßung
näher an das Metallzentrum gelangen können.
3. Molekülorbital-Theorie
Die umfassende MO-Theorie der Komplexe wird
im Hauptstudium ausführlich besprochen.
Prinzip ist eine kovalente Beschreibung der Bindung zwische Metall und Ligand auf der
Basis der Linearkombination (LC) der entsprechenden Atomorbitale (AO) (LCAO-Beschreibung),
die sie z.B. für die Beschreibung der Bindung im H2-Molekül aus der PC
bekannt ist (Kombination der beiden s-Orbitale von H zu einem bindenden und einem antibindenden
Molekülorbital.
Bedingung für die Überlappung der beiden Atomorbitale (MO-Bildung) ist
- ähnliche Energie der jeweiligen AOe
- vergleichbare Ausdehnung/Richtung der Ausdehnung
- gleiche Symmetrien
Das Problem ist schon von Methan CH4 bekannt: Um die vier σ-Bindungen
beschreiben zu können, ist zunächst die Bildung sogenannter
symmetrieangepaßten Linearkombinationen (SALCs = symmetry adapted linear combinations)
der s-AO der H-Atome erforderlich und
am C-Atom werden sp3-Hybrid-Orbitale (mit voller Tetraeder-Symmetrie) gebildet.
Ganz analog entstehen aus den fünf d-Zuständen der Metallzentren
im kubischen Feld (Tetraeder oder Oktaedersymmetrie) die beiden Orbitalsätze mit t2g
bzw. eg-Symmetrie.
In Komplexen ist dies noch weit komplizierter, da die Liganden bereits schon Moleküle
sind, d.h. aus den für die Bindung relevanten MOs der Liganden müssen SALCs konstruiert werden.
Für oktaedrische Komplexe mit reiner σ-Liganden-Koordination läßt sich das
Konzept noch anschaulich erklären (s. Abb. 8.3.27):
|
| Abb. 8.3.27. MO-Theorie von Komplexen
‣SVG
|
Die Zustände des Metalls M (links) im oktaedrischen Feld, die für die Bindung zur
Verfügung stehen sind bekannt. Es handelt sich um
- den eg-Satz der d-Orbitale
- den t2g-Satz der d-Orbitale
- das totalsymmetrische s-Atomorbital des M- Zentrums mit der Symmetrie a1g
- die drei p-Atomorbitale des Metallzentrums mit der Symmetrie t1u
Die sechs σ-Ligandenorbitale (rechts) kombinieren im kubischen Feld zu sechs SALCs:
- einer totalsymmetrischen Kombination a1g (blau)
- drei entartete SALCs mit t1u-Symmetrie (rot)
- zwei doppelt entartete SALCs mit eg-Symmetrie (grün)
Diese beiden Gruppen von Orbitalen überlappen nun gemäß ihrer Symmetrie zu:
- a1g (blau): Ein Ligandzustand und das s-Metallatomorbital bilden
eine bindendes und ein antibindendes Molekülorbital mit der stärksten Aufspaltung.
- t1u (rot): Drei Ligand-SALCs und die 3 p-Orbitale des Metalls bilden
je drei bindende und drei antibindende MOs.
- eg (grün): Zwei Ligand-SALCs und die beiden d-Orbitale
des eg-Satzes (dx2-y2, dz2)
bilden zwei bindende und zwei antibindende Molekülzustände.
- t2g (schwarz): Die drei t2g-d-Orbitale von M sind ohne Partner,
d.h. sie bleiben nichtbindend bei gleicher Energie.
Die Besetzung der Zustände mit Elektronen bis einschliesslich zu den nichtbindenden t2g-Orbitalen entsprechen
18 Elektronen!
Aus dieser MO-Betrachtung läßt sich auch leicht ein Bezug zu den beiden anderen Modellen herstellen:
- VB: Die 18 Elektronenregel
sp3d2 bzw. d2sp3 ist erklärbar ohne eine (unsinnige)
(n+1)-d-Orbital-Besetzung.
- LF: Alle Ligand-zentrierten Zustände sind besetzt.
Die Grenzorbitale haben t2g- und eg-Symmetrie und sind im wesentlichen
Metallartig; deren Aufspaltung bestimmt die Details der Komplexchemie.
In einem stark vereinfachten MO-Modell lassen sich dann auch die meisten
elektronischen Übergänge, die zu den Farbigkeiten der Komplexe beitragen,
schematisch eintragen (s. Abb. 8.3.28)
|
| Abb. 8.3.28. Elektronische Übergänge
in Komplexen (vereinfacht)
‣SVG
|
- L⟶L-Übergänge: Elektronische Übergänge weitgehend innerhalb
des Liganden, ggf. etwas modifiziert durch die Metall-d-Orbitale
(z.B. DADO, Häm usw.)
- L⟶M-CT: Übergänge aus besetzen Ligand-Orbitalen (meist nichtbindenden)
in Metall-d-Orbitale (z.B. Permanganat).
- M⟶L-CT: Übergänge aus besetzen M-d-artigen MOs
in antibindende L-Zustände (z.B. [Ru(bipy)3]n+ usw.)
- d⟶d-Übergänge sind im oktaedrischen Ligandenfeld (und in allen
anderen zentrosymmetrischen Komplexen Laporte-verboten, die
entsprechenden Farben sind extrem blass.
- M⟶M-Übergänge wie z.B. im Berliner Blau können natürlich
nur in MOs mit mindestens zwei Metall-Atomen eingetragen werden.
Der Charakter der Bindung in einem Komplex (eher ionisch oder eher kovalent, d.h. eher
hart-hart oder weich-weich Beziehung nach dem HSAB-Konzept)
variiert mit der energetischen Lage der beteiligten Ligand- und Metall-Zustände (s. Abb. 8.3.29).
|
| Abb. 8.3.29. HSAB-Konzept und chemische Bindung in Komplexen
‣SVG
|
- In Komplexe mit tiefliegenden Ligand-Orbitalen, d.h. stark elektronegativen Liganden wie z.B.
Oxid, dominiert der ionische Bindungscharakter (nach Pearson: hart-hart-WW).
- Bei weichen, hochliegenden, weniger elektronegativen Liganden dominiert der kovalente
Bindungsanteil, die Komplex-HOMOs haben einen deutlichen Ligand-Beitrag (nach Pearson: weich-weich).
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8.3.5. Beispiele I: Chelatkomplexe und ihre Anwendungen
Komplexe mit Chelateffekten sind besonders stabil. Dies resultiert thermodynamisch
aus der Erhöhung der Entropie bei der Komplexbildung, z.B. ausgehend von den Wasserkomplexen.
Bei der Substitution von Wasser-Liganden durch normale einzähnige Liganden (z.B. zwei Ammoniak-Moleküle)
[Cu(H2O)4]2+ + 2 NH3 ⟶
[Cu(H2O)2(NH3)2]2+ + 2 H2O
bleibt die Teilchenzahl konstant, während sie bei der Substitution durch einen Ethylendiammin-Liganden
(bei vergleichbarer chemischer Bindung, d.h. ähnlicher Enthalpie) von zwei auf drei Teilchen
erhöht wird:
[Cu(H2O)4]2+ + en ⟶
[Cu(H2O)2(en)]2+ + 2 H2O
ß1(en) (es wird ein Ligand ausgetauscht) ist daher wesentlich grösser
als ß2(NH3) (Austausch von 2 Liganden, daher ß2).
Chelatliganden verdrängen damit normalerweise alle einzähnigen Liganden, z.B.
für Ni(II):
[Ni(H2O)4]2+ (hellgrün) + 4 NH3 ⟶
[Ni(NH3)4]2+ (blau) + 4 H2O
[Ni(NH3)4]2+ (blau) + 2 en ⟶
[Ni(en)2]2+ (violett) + 4 NH3
Noch deutlich ist dieser Entropieeffekt beim dem bekannten sechszähnigen Liganden
edta:
[Mn(H2O)6]2+ + edta4- ⟶
[Mn(edta)]2- + 6 H2O
Hier werden aus zwei Teilchen sieben, ß ist damit sehr groß, das Gleichgewicht
liegt sehr weit rechts.
edta ist damit z.B. auch in der Lage, schwerlösliches Calciumcarbonat
aufzulösen.
Dieser Chelateffekt wird vielfach ausgenutzt, sowohl in der Chemie/Technik als
auch von der Natur:
- In der Chelatometrie/Komplexometrie wird die Metallionenkonzentration
durch Titration mit einer Maßlösung des Liganden (Komplexon) titriert.
Die wichtigsten Liganden sind NTA und EDTA. Auch der Metallindikator ist
ein Chelatligand, z.B. Eriochromschwarz-T.
- Erio-T (SVG) als Metall-Indikator
- Builder in Waschmitteln
sind Stoffe, die die Menge an Ca/Mg-Ionen, d.h. die Wasserhärte, verringern.
Früher wurde hierzu Pentanatriumtriphosphat (Na5P3O10)
verwendet, das heute wegen der Eutrophisierung (Überdüngung) der Gewässern nicht mehr eingesetzt wird.
Danach wurde eine Zeit lang EDTA eingesetzt, das einerseits nicht biologisch
abbaubar ist und andererseits zusätzlich Schwermetalle mobilisert.
Heute wird nur noch in Kanada und den Niederlanden Nitrilo-triessigsäure
verwendet, die biologisch abbaubar ist und als mindergiftig eingestuft ist.
Moderne Waschmittel enthalten dagegen eine Mischung von Zeolith A, Soda und
verschiedene Polycarboxylate.
- Neutrale Phthalocyanine
sind Farbmittel, die im Anwendungsmedium unlöslich sind (Pigmente, nicht Farbstoffe).
Hochpreisige, brilliante Grün- und Blau-Pigmente sind meistens Cu-Phthalocyanine.
Diese Pigmente sind absolut unlöslich, thermisch sehr stabil und einfach herstellbar:
Zur Herstellung wird einfach Phthalsäure-Dinitril mit Cu2+-Salzen erhitzt.
Diese Darstellung ist zugleich ein sehr einfaches Beispiel für eine Templatsynthese
eines makrocyclischen Liganden.
- Siderophore (Siderophor = Eisenträger) sind
Eisen-Carrier, die für die Bioverfügbarkeit von FeIII essentiell sind.
Ein sehr wichtiger Ligand ist das Enterobactin (ein Catecholat),
in dem ein zentraler gewellter Trilacton-Ring mit Arme schon axial orientiert \\
\> \> - 3 C mit S-Konfiguration \\
\Delta-Isomer überwiegt (CD-Spektren) \\
Der Ausbau des Eisens nach dem Transport wird clever durch die Reduktion
von FeIII zu FeII bewerkstelligt.
- Chelatkomplexe in biologischen Systemen (bitte genauere Angaben im PDB-File nachlesen)
- PDB-Datenbank direkter Link, (jmol als Java-Plugin!)
- Dihaem-Cytochrom-C-Peroxidase (PDB-File)
- Chlorophyll (PDB-File)
- Vitamin B12 (PDB-File)
- JMOL-Hinweise (Cartoon für Protein, gut sichtbare Chelate/Metalle)
- Stil - Schema - Cartoon
- Auswahl - Hetero - Ligand (not solvent)
- Anzeige - Atome - 15% vdW
- Anzeige - Bindungen - 0.2 Ang.
- ggf. Farbe - Atome - CPK usw.
-
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8.3.6. Beispiele II: Carbonylkomplexe
Die Carbonylkomplexe (kurz Carbonyle) bilden eine große einheitliche Klasse
von Komplexen mit CO als Ligand. Da CO neben CN- einer der
stärksten Liganden ist, handelt es sich sämtlich um Low-Spin-Komplexe.
Die Bindung von CO an das Metallzentrum entspricht einer σ-Donor Bindung
mit sehr erheblichem π-Rückbindungscharakter.
Die Bindungsstärke läßt sich sehr einfach aus den CO-Schwingungsfrequenzen
erkennen (IR/Raman-Spektroskopie).
Der erste Komplex dieser Art war das Tetracarbonyl-Nickel,
Ni(CO)4, das 1890 erstmal dargestellt wurde (Mond-Verfahren). Carbonylkomplexe
gibt es von fast allen Metallen, außer den Neutralmolekülen sind auch
anionische Komplexe, sog. Carbonylate, bekannt. Neben einkernigen gibt es auch eine sehr große
Zahl mehrkernige Komplexe. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über
die wichtigsten einfachen Carbonylkomplexe:
| Nebengruppe |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
VIII |
VIII |
| Elemente (3d, 4d, 5d) |
Ti, Zr, Hf |
V, Nb, Ta |
Cr, Mo, W |
Mn, Tc, Re |
Fe, Ru, Os |
Co, Rh, Ir |
Ni, Pd,Pt |
| Valenz-Elektronen |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| Neutralmoleküle |
|
einkernig |
| Verbindungen |
keine binären Carbonyle unter Normalbedingungen |
V(CO)6 |
Cr(CO)6 |
keine einkernigen Carbonyle |
Fe(CO)5 |
keine einkernigen Carbonyle |
Ni(CO)4 |
| keine binären Carbonyle von Nb/Ta |
Mo(CO)6 |
Ru(CO)5 |
keine binären Carbonyle von Pd/Pt |
| W(CO)6 |
Os(CO)5 |
| Struktur |
oktaedrisch |
oktaedrisch |
trigonal bipyramidal |
tetraedrisch |
| Eigenschaft |
schwarz, kristallin, paramagnetisch, Zers.-P.: -70oC |
farblos, kristallin, Subl. im Vakuum |
gelb bis farblos, flüssig, Mp. um -20oC |
farblos, flüssig, Mp.: -25oC |
|
zweikernig |
| Verbindung (Strukturen in VRML) |
keine binären mehrkernigen Carbonyle bekannt |
Mn2(CO)10 |
Fe2(CO)9 |
Co2(CO)8 |
keine binären Carbonyle bekannt |
| Tc2(CO)10 | Ru2(CO)9 | |
| Re2(CO)10 |
Os2(CO)9 |
|
| Struktur |
|
|
|
| Eigenschaften |
gelbe bis weiße Feststoffe |
gelb bis orange, fest |
|
|
dreikernig |
| Verbindung (Strukturen in VRML) |
- |
Fe3(CO)12 |
- |
- |
| Ru3(CO)12 |
- |
| Os3(CO)12 |
- |
|
vierkernig |
| Verbindung (Strukturen in VRML) |
- |
- |
Co4(CO)12 |
- |
| - |
Rh4(CO)12 |
Os4(CO)14,
Os4(CO)15,
Os4(CO)16
|
Ir4(CO)12 |
| Anionen (Carbonylate) |
|
einkernig |
| Anionen |
M(CO)62- | M(CO)6- |
M(CO)52- | M(CO)5- | M(CO)42- | M(CO)4- |
|
M(CO)53- | M(CO)44- |
M(CO)43- | | M(CO)33- |
Daneben gibt es Cluster-Carbonyle mit noch weiter erhöhten Metallatom-Zahlen.
Die Abbildungen dazu hier:
Man sieht sofort, dass die sehr metallreichen Verbindungen letztlich
Ausschnitte von Metallpackungen darstellen. Diese Carbonyle sind damit
wichtige Modellsysteme für die Wirkung von Metallpartikeln z.B. bei
der heterogenen Katalyse.
Weitere Erklärungen inkl. Elektronenbilanzen nach Wade s. das
Sonderkapitel zu Clusterverbindungen .
Fast alle Carbonylkomplexe folgen der 18 Elektronen-Regel,
bei den einkernigen allerdings nur die mit gerader d-Elektronenzahl,
d.h. V(CO)6 ist eine prominente Ausnahme von dieser Regel.
Die einkernigen Carbonyle sind flüssige, flüchtige Verbindungen,
die sehr giftig sind.
Zur Darstellung von Carbonylverbindungen gibt es verschiedene synthetische Methoden:
- Metall + CO z.B. Mond-Verfahren: Ni + CO (80oC)
- Reduktion von Metallsalzen in Gegenwart von CO
- Zersetzung von Metallcarbonylen, z.B. für M=Fe, Ru, Os:
2 Me(CO)5 ⟶ M2(CO)9 + CO
- Oxidation von Carbonylmetallaten, besonders wenn die Metallate leicht herstellbar sind, z.B.
[V(CO)6]- ⟶ H+, H3PO4 ⟶
V(CO)6 + 1/2 H2
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